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Internationaler ARL-Arbeitskreis "Gender in Spatial Development"

Gender in Spatial Development - Perspective, Similarities and Differences

Leitung: Barbara Zibell
Geschäftsführung: Katja Stock, stv. Anne Finger
Geschäftsstelle ARL: Evelyn Gustedt
Laufzeit: 2014-2018

Publikation: Routledge 2019

 

Der Internationale Arbeitskreis (IAK) wurde auf Antrag bei der Akademie für Raumforschung und Landesplanung (ARL) eingerichtet, um ein bei der ARL bisher unbearbeitetes Forschungsfeld einzuführen und entsprechende Grundlagen für den internationalen Kontext bereit zu stellen.

 

Thema und Zielsetzung

Der Nachhaltigkeitsdiskurs wird durch zwei normative Basiselemente geprägt: das Gerechtigkeitsgebot (intragenerational wie intergenerational) und das Integrationsgebot. Als unumstritten wird vorausgesetzt, dass Gerechtigkeit zwischen Frauen und Männern resp. die Gleichwertigkeit von bezahlter und unbezahlter Arbeit, d.h. symmetrische Geschlechterverhältnisse im Hinblick auf Optionsvielfalt in der Verwirklichung von Lebensentwürfen, eine Grundvoraussetzung für nachhaltige Entwicklung ist.

Unterstützt wird dieses Element der Nachhaltigkeitsdiskussion seit 1997 durch den Amsterdamer Vertrag, der die Gemeinschaft u.a. auffordert, „(…) darauf hinzuwirken, Ungleichheiten zu beseitigen und die Gleichstellung von Männern und Frauen zu fördern“ (Art. 3 Abs. 2 AV). Die hierauf beruhende europäische Politik des Gender Mainstreaming ist mittlerweile in allen Mitgliedsländern eingeführt, jedoch – auch in der Fachwelt räumlicher Entwicklung und Forschung – noch nicht zum selbstverständlichen und integralen Bestandteil planerischer Praxis und wissenschaftlicher Reflexion geworden.

Diese Grundgedanken führten zu der für den IAK maßgeblichen Fragestellung: „Wie wirkt sich die Anerkennung der Genderrelevanz in der Organisation und Struktur der Planung von Raumnutzung und -aneignung in unterschiedlichen europäischen Kulturen aus?“

 

Inhalt

Der IAK beschäftigte sich mit der Frage, wie die Berücksichtigung der Kategorie Geschlecht die Entwicklung und Planung von Räumen in unterschiedlichen europäischen Ländern und Regionen beeinflusst. Ziel war es, die Bedeutung von (inter- und transdisziplinären) Geschlechterperspektiven für die räumliche Entwicklung in einem inter- und transnationalen Kontext darzustellen. Dazu wurde die Diskussion um Geschlechterverhältnisse und Raumentwicklung von Beginn an in den Kontext einer sozialräumlich orientierten nachhaltigen Entwicklung gestellt. Beteiligt waren Expert*innen aus neun europäischen Ländern und vielfältigen Disziplinen. Die Ergebnisse werden in einem Sammelband im Routledge-Verlag publiziert.

Der Untersuchungsrahmen ging aus von einem gedanklichen Dreischritt, der die verschiedenen Implementationsstufen/-intensitäten von «Gender in spatial development» von Transfer über
Integration bis Implementation umfasst. Folgende Fragen waren dabei wegleitend:

  • Transfer
    Warum und wie kann ein gender-sensitives Vorhaben / Vorgehen überhaupt gestartet, wie und unter welchen Bedingungen umgesetzt werden
  • Integration
    Wie und unter welchen Bedingungen können gender-sensitive Vorhaben in bestehendenStrukturen (planender Verwaltung) verankert werden?
  • Implementation
    Welche (strukturellen) Rahmenbedingungen sind Voraussetzung, dass gender-sensitiveVorhaben und Verfahren als selbstverständlicher Bestandteil auf Dauer in die räumlicheEntwicklung (eines Gemeinwesens) integriert werden?

 

Der so konzipierte Forschungsrahmen, illustriert in Form eines Dreiecks (s. Abb. 1), lag der Analyse und Diskussion der Bedingungen einer nachhaltigen und gender-sensitiven Raumentwicklung mit ihren Prozessen, Produkten und (institutionellen) Strukturen im Hinblick auf die jeweiligen Aktivitäten (von Transfer über Integration bis Implementation und Evaluation) zugrunde und bildet die Grundlage für die Konzeption der zentralen Kapitel in der Publikation.

Im Ergebnis kann festgehalten werden, dass Genderperspektiven zwar im wissenschaftlichen Bereich relativ breit aufgearbeitet sind, im Mainstream von Planungstheorien jedoch ebenso wenig angekommen wie im Mainstream der Planungspraxis. Es lässt sich jedoch auch ablesen, dass gender-sensitive Konzepte dazu beitragen, Innovation zu erzeugen und Transformation im Hinblick auf eine nachhaltige (Raum)Entwicklung zu befördern, indem sie hegemoniale Rationalitäten in Frage stellen, aktuelle Formen der Allokation sozialräumlicher Ressourcen hinterfragen und die Einbeziehung marginalisierter Perspektiven und Anspruchsgruppen einfordern. Der IAK verknüpft damit unmittelbar Visionen zu alternativen ökonomischen Konzepten und Idealen der Demokratie und nicht zuletzt zu deren räumlicher Umsetzung in neue Wohn- und Lebensformen, Gestaltung öffentlicher Räume u.v.a.m.

 


Arbeitsweise und Bausteine

Die Mitglieder des Arbeitskreises, im Sinne der Akademie Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler einerseits sowie Planungsfachleute andererseits, die über einen call for membership rekrutiert wurden, repräsentierten neun europäische Länder: Deutschland, Österreich, Schweiz, Finnland, Großbritannien, Niederlande, Frankreich, Spanien und Griechenland. Neben den elf beteiligten Hochschulen war die Stadt Wien mit ihren langjährigen Erfahrungen in der genderorientierten Stadtentwicklung und Planungsbüros aus Österreich und den Niederlanden mit inter- und transnationaler Forschungskompetenz in raumbezogenen Genderfragen vertreten.

Die Mitglieder kamen ein bis zwei Mal jährlich an wechselnden Standorten in den beteiligten Mitgliedsländern zusammen. Die Arbeitsweise war durch offene Diskussionen und kollektive
Lernprozesse sowie durch die Arbeit an konkreten thematischen Beiträgen in länderübergreifenden Gruppen gekennzeichnet. Insgesamt fanden sieben Treffen zu folgenden Themenschwerpunkten statt.

 

1. 09. - 10. Oktober 2014, Hannover

  • Ziel: gegenseitiges Kennenlernen
  • Findungsphase: mögliche Forschungsthemen und -ziele, erwartete Resultate
  • Externer Input von Sara Reimann (ARL) zum Thema “Comparing systems of local land-use planning in Europe. An analysis of potentials and limits of research methodologies and academic discourses”


2. 27. - 28. April 2015, Luzern

  • Persönliche Zugänge zum Thema des IAK
  • Der nationale Blickwinkel: Gender in Spatial Development in den im IAK vertretenen Ländern
  • Eingrenzung der Arbeitsziele und -produkte: Entscheidung für eine Publikation als Produkt des Arbeitskreises
  • Externer Input von Beatrice Durrer (Hochschule Luzern - Soziale Arbeit) zum Thema „Gender competence in Swiss regional policy and regional development”

3. 19. - 20. November 2015, Wien

  • Vorarbeit für die Publikation: Adressatinnen und Adressaten, Struktur und Aufbau
  • Ideensammlung / Brainstorming für transnationale thematische Kapitel
  • Exkursion Seestadt Aspern


4. 19. - 20. September 2016, Dortmund

  • Exkursion Dortmund PHOENIXSEE
  • Buchstruktur und Publikationsmodalitäten
  • Vorstellung und Diskussion der Kapitelentwürfe
  • Sammlung offener Fragen


5. 06. - 07. April 2017, Berlin

  • Diskussion der ausdifferenzierten Kapitelentwürfe
  • Ausdifferenzierung der Kapitelinhalte und Buchstruktur
  • Klärung der Publikationskonditionen
  • Externer Input von Christiane Droste (UrbanPlus) zu Thema „Gender consultancy in housing and spatial development in Berlin and elsewhere - Potentials and barriers”
  • Exkursion Genderplanung in Berlin


6. 09. - 10. November 2017, Wien

  • Diskussion der Entwürfe für die einzelnen Kapitel der Publikation
  • Klärung offener Fragen
  • Festlegen der nächsten Schritte zur Publikation


7. 13. - 14. Juni 2018, Hannover

  • Präsentation und Diskussion der Kapitel vor Drucklegung, letzte Änderungen und Anpassungen
  • Ideen und Anregungen für das letzte Kapitel, erzielte Ergebnisse und Forschungsbedarf / Perspektiven
  • Verständigung über weitere Schritte der Zusammenarbeit

 

 

Output und Ausblick

Die Ergebnisse aus der Arbeit wurden an der Mitgliederversammlung der ARL am 9. November 2018 in Hannover präsentiert und im renommierten britischen Verlagshaus Routledge publiziert."

Ein Positionspapier in deutscher Sprache zuhanden der ARL Mitglieder ist in Arbeit.

Artikel in Fachzeitschriften sind geplant und tragen zur weiteren Verbreitung der gewonnenen Erkenntnisse bei.